Nach der Landung mache ich mich am Dienstag sofort auf dem Weg zum Taksim-Platz. Je weiter ich den Berg hochsteige, desto voller sind die Gassen mit jungen Leuten mit ihrer Ausrüstung: Helme, improvisierte Gasmasken. Mehr und mehr spüre ich das Tränengas. Es gibt ein Stop and go. Angekommen auf der größeren Siraselviler brennt es bereits heftig in den Augen. Ich mache einen entschiedenen Versuch, auf den Taksim zu kommen, habe aber keine Chance. Das Gas ist zu stark. Die Augen brennen so sehr, dass ich beim zurücklaufen kaum etwas sehen kann. Doch sofort sind Helfer da und besprühen meine Augen mit Zitronenwasser, 5 Minuten später ist alles wieder in Ordnung.
Schlagwort: occupy
Vom Tahrir-Platz zur Puerta del Sol
Fünf Thesen über die neuen Protestbewegungen
Erschienen in „Analyse & Kritik“: https://www.akweb.de/ak_s/ak562/26.htm
Der Funke springt über! Die Revolte, die jahrzehntelang gefestigte Herrschaftsregime hinwegfegte, breitet sich fast in der Geschwindigkeit von Twitternachrichten in der arabischen Welt aus. Nun weitete sie sich überraschend mit ihren spezifischen Ausdrucksweisen und Formen auf den südeuropäischen Raum aus. Dabei galt der europäische Sozialstaat vielen AktivistInnen in arabischen Ländern als Modell. Weil ihre Revolte zum Vorbild für die Bewegung von Menschen in Europa geworden ist, reiben sich viele von ihnen nun verwundert die Augen.
Schon 2010 brachen in Europa Kämpfe aus. Auch in den USA erleben wir ein neues Aufflammen sozialer Auseinandersetzungen. Das Neue: Es gibt einen gemeinsamen Rahmen, eine gemeinsame Deutung, eine gemeinsame Identifikation dieser Proteste. Er gründet auf der Krise der kapitalistischen Globalisierung. Kaum zu überschätzen ist dabei, dass dieser neue Rahmen aus dem Orient kommt, aus den „Badlands“, dem Schlachtfeld des Bösen, das eigentlich als Kulisse für den „Kampf der Kulturen“ vorgesehen war.